Schaut Ihr den World Cup of Hockey? Dieses Turnier, das NHL und NHLPA gemeinsam mit dem Eishockey-Weltverband IIHF veranstalten, um den Markt zu testen für ein topbesetztes Turnier jenseits von Eishockey-WM, Olympia und – was viel wichtiger ist – außerhalb der NHL-Saison …

Ich habe jetzt einige Spiele gesehen. Alle auf einem sehr guten Niveau, mit der einen oder anderen Überraschung (zum Beispiel der klare 3:0-Sieg von Team Europa gegen die USA). Doch den Spaß trübt ein bisschen ein Teil der Übertragung: ESPN blendet auf der Bande virtuelle Werbebanner ein. Wir kennen das bisher aus der NHL, wo Sponsoren ihre Logos virtuell auf das Plexiglas „kleben“. Beim #WCH2016 ist es aber anders:

Ich bin jedes Mal fasziniert und irritiert zugleich. Denn statt der klassischen Bande wird dem Fernsehzuschauer nach jedem Wechsel eine neue Werbeeinblendung auf(!) der Bande gezeigt. Exklusiv für einen Sponsor, dessen Logo sich scheinbar unendlich wiederholt. Bis zur nächsten Unterbrechung. Denn dann kommt der nächste Partner aufs Board.

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Ich bin fasziniert, weil die Technik so gut funktioniert. Der Werbelayer erkennt, wenn Spieler oder Refs vor der Bande stehen und spart diese Stelle in der Grafik nahe zu perfekt aus. Beim Eisspritzen nach einem Bremsmanöver hat es allerdings seine Probleme (auf dem Bild unten links):

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Ich bin aber auch irritiert, weil die Bande so hell ist. Den Unterschied zwischen echter und falscher Bande sieht man auf dem Screenshot oben ziemlich gut. Ich bin auch irritiert, weil sich die Werbung immer ändert. Zum Glück nicht so häufig und auch nicht animiert (außer bei Unterbrechungen) wie beim Fußball. Aber die Wiederholung der Firmenlogos wirkt zu künstlich.

In zwei einem Jahr werden wir uns wahrscheinlich daran gewöhnt haben. Vielleicht auch schneller. Aber irgendwie geht das Gefühl, dass ich genau das sehe, was in der Halle tatsächlich ist, verloren. Ich bekomme eine nicht mehr ganz so reale Welt nach Hause geliefert. Das finde ich schade. Ich will sehen, wie es in der Arena tatsächlich aussieht. Ich will auch die amerikanischen bzw. kanadischen Sponsoren sehen. Ich will ein bisschen dabei sein. Und nicht in einer künstlichen Fernsehwelt sein.

So sieht die Bande übrigens in echt aus (nur zwei, drei Kameras zeigen die virtuelle Werbebande):

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Auch bei anderen Zuschauern kam diese Neuerung nicht gut an.

Übrigens, kommt die Technik aus dem Football. Hier hat man sich Gedanken über das Einblenden von Linien auf dem Feld gemacht. Und mit großem Aufwand werden diese Linien auf den Rasen gebracht. Was hier ein Service für den Zuschauer ist, kann man natürlich auch zur Vermarktung nutzen. So wie es nun beim World Cup of Hockey geschieht.

Das amerikanische Online-Magazin Vox hat über die Technologie und den Aufwand hinter diesen Einblendungen einen sehr guten Erklärfilm gemacht:

Was haltet Ihr von dieser Werbeart? Stören Euch die virtuellen Werbebanden auch so sehr – oder könnt Ihr damit leben?

Alle Screenshots von Sport1.

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