Politik ist nicht oft Thema in diesem Eishockey-Blog. Doch vor der heute beginnenden Eishockey-WM müssen wir reden – über den Gastgeber: Weißrussland gilt als letzte Diktatur Europas. Präsident Alexander Lukaschenko ist Eishockey-Fan und Freund von Wladimir Putin.

Das Sport-Großereignisse sich nicht mehr so leicht in demokratischen Ländern durchführen lassen, zeigen verschiedene Beispiele. Die Volksabstimmung über München 2022 scheiterte, die Fußball-WM wird nach Katar vergeben, die Fußball-EM wird gleich auf viele europäische Länder verteilt…

Die Eishockey-WM ist dahingegen doch ein recht kleines Event. Zwei Standorte – dieses Jahr finden alle Spiele in den beiden Arenen in Minsk statt – reichen für die drei Wochen aus. 70.000 Besucher erwartet man in der weißrussischen Hauptstadt.

Dafür wurden laut ZEIT ONLINE zwar einige neue Hotels gebaut, aber auch die Wohnungen vieler Studenten “der vier Universitäten von Minsk wurden geräumt, sie wurden für WM-Gäste umgebaut.”

Solche Meldungen dämpfen meine Vorfreude auf die Spiele – wie schon Anfang des Jahres bei den Sotschi-Winterspielen.

Die vielen Proteste der Opposition und Regime-Kritiker verhallen. Der Weltverband hält an Weißrussland fest. Und auch der DEB unterstützt die Entscheidung der IIHF. Der DEB-Präsident Uwe Harnos auf ZEIT ONLINE: “Boykott ist immer eine schlechte Entscheidung. Es ist ein schwieriger Spagat. Sport ist grundsätzlich unpolitisch. Aber man kann Sport und Politik nicht immer voneinander trennen.”

Genau das ist der springende Punkt: Sport findet nicht im Vakuum statt sondern immer auch in einem gesellschaftlichen und politischen Kontext. Deshalb kann man Sport und Politik eigentlich überhaupt nicht voneinander trennen.

Oft gehört – auch im Vorfeld von Sotschi: ein Boykott hilft niemanden. Wie viele andere Offizielle ist auch Uwe Harnos der Meinung, dass nur der, der hinfährt, auch “seine Stimme erheben” kann. Doch wer erhebt am Ende denn wirklich seine Stimme?

Wenn die Spieler und Funktionäre dort sind, berufen sie sich wieder auf ihren “unpolitischen Sport”. Missstände in einem Land wie Weißrussland werden sie ohnehin nicht groß zu sehen bekommen. Die Probleme werden hinter schönen Fassaden versteckt, bis der WM-Zirkus weitergezogen ist.

In Weißrussland will man sich im besten Lichte präsentieren. Und Lukaschenko nutzt die WM als Plattform für seine Zwecke. Die beiden WM-Arenen wurden 2009 neu errichtet – nach modernen Standards. Am Flughafen landen WM-Gäste an gesonderten Terminals, um schneller abgefertigt zu werden. Ein Visum braucht man mit einem WM-Ticket nicht, und Journalisten müssten laut Anordnung Lukaschenkos keine Restriktionen befürchten. Wie nett, oder?

Eishockey-Fan Lukaschenko selbst musste die letzten Weltmeisterschaften aus der Ferne verfolgen. Der Präsident darf nicht in die EU einreisen. Jetzt ist er Gastgeber und wird auch IIHF-Chef René Fasel treffen. Der stellte sich Anfang der Woche dem Deutschlandfunk. Redakteur Philipp May bohrte dabei tief in der Wunde – so sehr, dass man Fasel sich förmlich winden sah. Das Sechs-Minuten-Gespräch ist daher ein absolutes Hör-Muss – auch wenn es etwas weh tut, zuzuhören, wie der Weltverbandschef nach den “richtigen” Worten sucht!

Dabei bemühte Fasel dann auch wieder die Floskel: “Wir trennen uns von der Politik. Wir sind Sport.” Ja, was denn nun? Die Allzweck-Ausrede für alle Sportfunktionäre, wenn man auf Menschenrechtsverletzungen, Korruption und andere Schweinereien zu sprechen kommt.

Sport findet im Kontext statt. Und der stimmt für mich bei dieser Eishockey-WM leider nicht!

PS: Eine knapp halbstündige Radiodokumentation zur WM in Weißrussland gibt es drüben beim Deutschlandradio Kultur.

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