Verletzungen gehören im Sport dazu. Erst recht im Eishockey verletzen sich Spieler immer wieder und fallen für einige Zeit aus. Als Fan nimmt man solche Krankmeldungen zur Kenntnis, ärgert sich vielleicht über den Ausfall eines wichtigen Spielers. Doch was ist das für ein Gefühl den Spieler selbst?

Ich kann es Euch jetzt sagen, denn dieses Schicksal ist mir auch ereilt. Schon kurz vor Weihnachten. Es war ein Trainingsspielchen mit anschließendem Grillen im Schnee. Doch das fand ohne mich statt.

Ich verbrachte den Rest des Abends im Krankenhaus, weil mir im “Eintracht-Weihnachtsspielchen” der ersten und zweiten Mannschaft die Schulter ausgekugelt wurde. Autsch!

Ein Verteidiger der ersten Mannschaft setzte auf offenem Eis für ein solches Spielchen völlig unverhältnismäßig zum Hüftcheck an und knallte mit seinem Hinterteil mit ganzer Wucht auf meine rechte Schulter. Ich weiß nicht, ob der Schuss, den ich kurz vorher abgegeben hatte, überhaupt aufs Tor ging. Es ging alles sehr schnell. Plötzlich lag ich dann aber mit dem Rücken auf dem Eis. Ein Schmerz in der Schulter, der Arm gefühlte zwei Meter neben mir.

“Einen Moment noch, gleich geht es wieder”, dachte ich mir. Wie so oft bei Checks verschwindet der Schmerz relativ schnell wieder. Doch diesmal nicht.

Meinen Arm konnte ich nicht mehr alleine anheben. “Das war’s für heute…” Ich schleppte mich in die Kabine, wo dann sichtbar wurde, was passiert war. Ausgekugelte oder – wie es im Fachjargon heißt – luxierte Schulter.

Im Krankenhaus wurde der Arm wieder eingerenkt und still gestellt. Vier Wochen Ruhe mindestens! Heute fünf Wochen und ein MRT später ist klar, dass es in dieser Saison nichts mehr wird mit Eishockey.

Das Saison-Aus mitten in der Saison. Bitter. Spielt meine Eintracht doch stark in der Rhein-Main-Hockeyliga. Ist auf Finalkurs und kann mit jeder Mannschaft mithalten. Und ich muss zu sehen. Kann nicht helfen. Kann keine Tore schießen.

Doppelt bitter. Neben der unnötigen Verletzung nun auch noch das Zuschauenmüssen. Der Alltag klappt zwar nun schon wieder ganz ordentlich. Sport und Eishockey wird es aber auch in den nächsten Wochen nur als Zuschauer geben.

Ein Profi wird sicher schneller wieder aufgepeppelt. Es ist ja sein Beruf. Und wird er sicher auch schneller Termine für Behandlungen (5 Wochen Warten auf einen MRT-Termin kann sich ein Profi nicht leisten.) bekommen. Doch letztlich will jeder Spieler spielen. Erst recht in der entscheidenen Saisonphase. Doch das Zuschauen, wie die eigene Mannschaft oder gar die eigene Reihe auf dem Eis steht, demoralisiert.

Der Gang zur Physiotherapie wird dadurch sicher nicht leichter: sich alleine im Kämmerlein an den Geräten zurück kämpfen, während die anderen Spieler für den Erfolg spielen und sich im Rampenlicht sonnen können. Das verdient größten Respekt!

Gut, das Rampenlicht gibt es bei uns nicht. Aber auch ohne die große Bühne fehlen die gemeinsamen Eiszeiten mit der Mannschaft, der Spaß auf und abseits des Eises.

Und für was wurde ich noch mal umgefahren? Für den Ego eines Spielers, der sich bis heute nicht bei mir – einem Vereinskameraden – entschuldigt hat! Das ist auch demoralisierend.

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