Stadion-Check

Stadion-Check: Crocos in Farmsen

Seit dem letzten Sommer ist im Hamburger Stadtteil Farmsen nichts mehr, wie es einmal war. Rund um die Eishalle hat sich viel verändert. Das plötzliche und schnelle Aus der Hamburg Freezers machte die Hamburg Crocodiles über Nacht zur Nummer eins der Stadt. Gerade so hatte man den Verbleib in der Oberliga Nord geschafft, sah man nun einer ganz neuen Aufgabe ins Auge: nicht weniger als das professionelle Eishockey in der Hansestadt zu retten.

Zusammen mit Christoph Schubert, dem letzten Kapitän der Freezers, traten die Crocodiles plötzlich ins Rampenlicht und führten das Hamburger Eishockey an. Die alten Fans, die immer zur kleineren Nummer der Stadt hielten, freuten sich über die neue Aufmerksamkeit. Die neuen Fans mussten sich erst einmal an die neuen Gegegenheiten gewöhnen. Dass beide Gruppen auch heute noch ein bisschen fremdeln, merkt der neugierige Besucher recht schnell.

Denn wenn die Crocodiles im Eisland Farmsen auf Torejagd gehen, stehen die Fangruppen nicht zusammen. Die alten Fans stehen vorne rechts, quer hinter der Heimbank. Die neuen Anhänger stehen dagegen am anderen Ende der Geraden. Beide feuern ihr Team an. Nicht immer synchron, nicht immer gleich, aber immer mit großer Hingabe. Hin und wieder klappt es aber schon mit dem gemeinsamen Schlachtruf. Dann kann es richtig schön laut werden in der Eishalle von 1978.

Das Publikum steht bzw. sitzt sehr nah am Eis, allzu viele Zuschauerreihen gibt es nicht. Die Gänge, die Treppen sind schmäler, die Kabinen weniger glamourös. Der Spielstand steht auf einer klassischen Anzeigetafel, gegenüber hängt eine kleiner Projektionsfläche für den Beamer. Es ist alles eine deutliche Nummer kleiner als in der großen Freezers-Arena in Stellingen. Eishockey in seiner reinsten Form ist das, würden die Traditionellen sagen. Doch man könnte auch sagen, das ganze sei etwas in die Jahre gekommen. Heute funktioniert das Event „Sport“ anders als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Und genau hier müssen die Crocodiles, die nun überraschend in den Playoffs stehen, einen schwierigen Spagat machen.

Sie wollen die alten Crocodiles-Fans behalten, aber eben auch neue (ehemalige Freezers-)Fans gewinnen. Etwas Show muss sein, doch sie fällt auch im Jahr eins nach den Freezers eher klein aus. Das ist nicht schlimm, denn ein Megaspektakel vor dem Spiel für Eventies wäre hier fehl am Platz – es wäre einfach nicht authentisch. So werden einfach nur die Namen der Spieler zu lauter Musik verlesen, danach geht es direkt los.

Für 1.955 Personen bietet die Halle Platz. Die meisten Zuschauer müssens stehen, auf den Rängen aber auch an den Getränkeständen. Im Eisland Farmsen gibt es nur drei Stellen, an denen Fans Essen und Trinken kaufen können. Bei meinem Besuch ging das aber immer recht zügig. Wer raus will zum Rauchen, findet vor dem Eingang noch einen Getränke- und einen Wurststand.

Die Curry-Wurst gibt es mit Pommes für 7 Euro, und das Bier kostet 3,50 Euro. Faire Preise. Alles andere wäre aber auch vermessen. Es ist ja „nur“ Oberliga. Dementsprechend kommt auch der VIP-Bereich daher, den ich nur von außen gesehen habe. Er ist in einem kleinen Anbau untergebracht. Wenig glamourös im Vergleich zur großen Freezers-Arena im Volkspark. Aber aus den Neuanfängen in Frankfurt kenne ich diese Situation. Das macht es familär, so kann man stärkere Bande knüpfen für eine Zukunft, die Christoph Schubert nicht in der Oberliga sehen. In zwei, drei Jahren wollen die Crocodiles ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitsprechen.

Klappt es zeitnah mit dem Aufstieg in die 2. Liga, dann wird sich in der Eishalle Farmsen sicher noch mehr verändern als im letzten Sommer.

3 von 5 Sternen

Eisland Farmsen
Berner Heerweg 152
22159 Hamburg

Kapazität: 1.955 Zuschauer
Baujahr: 1978

+++ Aktualisierung, 1. März 2017, 16:56 Uhr +++
Das Bier kostet 3,50 Euro und nicht 2,50 Euro. Das hatte ich falsch in Erinnerung. Und Wikipedia hat eine veraltete Zuschauerzahl: korrekterweise muss es 1.955 heißen, nicht 2.300. Danke für die Hinweise.

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  1. avatar

    In der Farmsener Halle kann man das schnelle Oberliga-Eishockey hautnah erleben ! Es macht riesen Spass, mit den anderen Fans die Mannschaft als “7. Mann” zu unterstützen !

  2. avatar

    rainer rahlf

    hallo an den Verfasser, Ich weiß zwar nicht wo Sie waren aber ich war im eisland Farmsen. Schade das Sie hier einen Stadion Check machen mit einem Verein aus einer anderen Liga und nicht den Vergleich mit anderen Hallen aus der Oberliga. Wen Sie sich genau informiert hätten wüßten Sie das “nur ” 1955 Zuschauer in die Halle dürfen, desweiteren das Stefan Tillert co Trainer ist und das ,das Bier 3,50 Kostet. aber schönen dank für die tollen Bilder

  3. avatar

    Hallo Rainer Rahlf,

    danke für die Hinweise bezüglich Stadionkapazität und Bierpreis. Das hatte ich falsch in Erinnerung. Die Personalie Stéphane Richer hatte sich in der Zeit zwischen Besuch und Artikel geändert.

    Viele Grüße aus Frankfurt
    Stefan

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