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Patient Oberliga

Jeder sprach von dem vorgezogenen Finale. Und das war es auch. Irgendwie. Kassel Huskies gegen Löwen Frankfurt. Eine Paarung, die schon zu DEL-Zeiten in den Fokus rückte. Nur fand das Halbfinale dieses Jahr zwei Ligen darunter statt. In der Oberliga.

Über die komplette Distanz von fünf Spielen mussten die Akteure kämpfen. Und die Entscheidung fiel erst in der Verlängerung. Der Sudden Death ereilte die Löwen.

Die Huskies zogen ins Finale ein. Als Favorit. Auf dem Weg zur sportlichen Qualifikation zur 2. Bundesliga.

Für Frankfurt ist der verpasste Finaleinzug besonders bitter. Denn nur die beiden Finalisten hätten eine sportliche Chance auf den Aufstieg. Die Betonung hierbei liegt auf “hätten”.

In welcher Liga es in der neuen Saison weitergeht, wissen auch die beiden Finalisten nicht. Selbst, wenn sie sich sportlich qualifizieren.

Denn mitten in den Playoffs tönt NRW-Landesverbandchef Wolfgang Sorge, dass kein Team aus der Oberliga aufsteigen wird. Es bestünde kein Kooperationsvertrag zwischen ESBG und LEV.

“Mit einer Bewerbung bei der ESBG verletzen Sie den Vertrag und verlieren so sofort mit sämtlichen Mannschaften Ihr Teilnahmerecht im Spielbetrieb des LEV NRW. Dasselbe gilt, wenn Sie einer GmbH genehmigen, sich zu bewerben”,

droht der NRW-Landesfürst in einer E-Mail an die hessischen Klubs mit der Sperre aller Nachwuchsmannschaften des entsprechenden Klubs in den NRW-Ligen.

Eine Unverschämtheit sondergleichen!

Frankfurt und Kassel sind mit großen Etats und dem noch größeren Ziel der beste von 39 Oberliga-Klubs zu werden in die Saison gestartet – mit der Annahme tatsächlich aufsteigen zu können. Dass nun selbst dem Meister dieses Recht wegen gekündigter Verträge verwehrt werden soll, zeigt wie krank das deutsche Eishockey ist.

Das gemeinsame Ziel, die Randsportart Eishockey nach vorne zu bringen, gibt es nicht.

Stattdessen versucht man die Cash Cows aus Frankfurt und Kassel (beide haben jeweils ca. 70.000 Euro an Abgaben gezahlt) weiter zu melken.

Dass die Oberliga für diese Teams und ihre Fans ob der hohen Ergebnisse mit der Zeit äußerst langweilig werden, kann ich selbst nur bestätigen. Wirklich spannend wurde es nur in den Derbys, als sich die Teams auf Augenhöhe begegneten.

Mögliche Folge dieser deutlichen Leistungsunterschiede: die Fans wenden sich ab.

Mit dieser Politik zerstören die Verbände systematisch die starken Eishockey-Standorte in Hessen. Und auch die Oberliga, in der die kleineren Klubs chancenlos als Kanonenfutter herhalten müssen.

Die Oberliga ist der Unterbau des deutschen Eishockey, Ausbildungsstätte für spätere DEL-Profis und Nationalspieler. Ohne diese Liga wird bald dann auch in der oberen Ligen die Luft dünner.

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  1. avatar

    Jenny R.

    Tja, das zeichnet sich seit langem ab, die “kleinen Könige” der Landesverbände. Daran krank das gesamte Eishockey. Hierbei ist nicht nur der NRW zu benennen, auch die südlich ansässigen LEV tragen am Absterben des Eishockeys mit bei. Nicht nur der Aufstieg, auch das Thema Nachwuchsförderung und Ausnahmegenehmigungen. Wenn man die Verbände länger beobachtet, könnte man doch fast an Klüngeleien denken. Da ist soviel willkürlich es zu sehen, dass es einem hochkommt.

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