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Nur die Konkurrenz darf träumen

Die Zukunft des Basketball

Heute morgen bin ich endlich mal wieder zum gemütlichen Zeitungslesen gekommen. Klar, dass man in Frankfurt da auf eine der großen Zeitungen der Stadt zurückgreift, um sich über die Neuigkeiten der Welt zu informieren. In der Tageszeitung meiner Wahl – der Frankfurter Allgemeinen – hat die mehrmalige Sportredaktion des Jahres heute auf Seite 29 zwei interessante Artikel veröffentlicht, die mich als Eishockey-Fan nachdenklich stimmen.

In der rechten Spalte findet der Leser einen Abgesang auf die DEL. In seinem Artikel “Die große DEL-Schmelze” listet FAZ-Redakteur Volker Stumpe noch einmal die großen Probleme der Liga auf und kommt zu dem Schluss: “Deutschland ist offenbar kein Eishockey-Land.”

Hart, aber wohl wahr. Denn das Konzept “Deutsche Eishockey Liga” ist gescheitert. Das ist spätestens nach dem Bekanntwerden des drohenden Endes des deutschen Meisters nun auch in der klassischen Presse immer öfter zu lesen.

“Die Klubs wurschteln sich durch. Und so wird es weiter gehen – bis der nächste Kandidat zu seiner eigenen Beerdigung bittet. Die DEL ist längst gescheitert, sie gibt es nur nicht zu,” heißt es weiter in dem FAZ-Artikel.

Genau hier liegt das Problem. Die Liga verkennt ihre Situation und rauscht in ihr Unglück – ohne erkennbares Gegensteuern. Sämtliche Aktionen, die die Liga unternimmt, verschlimmbessern die Lage nur weiter. So verpufft der große WM-Erfolg der Nationalmannschaft in diesem Frühjahr, und die Konkurrenz zieht vorbei.

Basketball zum Beispiel: An vielen DEL-Standorten steht der “körperlose” Sport in direkter Konkurrenz zum Eishockey, wenn es um Zuschauer und Sponsoren geht. Bei der jetzigen Präsentation des Eishockeys muss man sich nicht wundern, wenn die Zielgruppen abwandern.

Wie eine Bedrohung wirkt da der zweite Bericht auf Seite 29 der heutigen FAZ-Ausgabe: “Nur die Bayern können neben den Bayern bestehen” steht in großen Lettern über dem Beitrag, der den Plan von Uli Hoeneß beschreibt, Basketball in München zu etablieren (Online-Verion des Printartikels).

Im großen Stil plant der Fußball-Manager nämlich den Aufstieg der Basketball-Abteilung des FC Bayern München in die Basketball-Bundesliga. Mit jungen deutschen Spielern soll in der kommenden 2.-Liga-Saison dieses Ziel erreicht werden. “Der Fußball ist dabei, alles unter sich zu begraben”, sagt der Bayern-Präsident. Nur Basketball habe eine Chance neben Fußball zu überleben, ist sich Hoeneß sicher.

Und so schmiedet der Basketball (in München) Zukunftspläne. Derzeit finden die Ligaspiele der Bayern in der Olympia-Eishalle des EHC München statt. Trotzdem – oder gerade deswegen – müssen in München “Verbesserungen geschaffen werden”, meint FCB-Vizepräsident Bernd Rausch und denkt dabei an eine eigene Halle.

Von solchen Pläne können die Verantwortlichen in der Deutschen Eishockey Liga nur träumen. Weiß man doch gar nicht wie es mit der Liga weitergeht. Zu viele Unsicherheiten und Querelen können (und werden) die Visionen der Klubs durchkreuzen, denn “die DEL ist eine Fehlkonstruktion und muss eines Tages wie ein Kartenhaus zusammenbrechen” (Volker Stumpe).

Mit diesen eisigen Aussichten ist es also kein Wunder, dass nur die Konkurrenz von einer rosigen Zukunft träumen darf.

Foto: Hotel Ocho

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  1. avatar

    Es ist wirklich traurig, was in diesem Sommer passiert ist und wohl noch geschehen wird. Vielleicht ist der Kommentar ein wenig zu pessimistisch, jedoch hat die DEL ihr Ziel verfehlt – schließlich ging es darum, die Zahl der Insolvenzen durch Planungssicherheit und Einführung des Lizenzierungsverfahrens zu senken. Und nun? Momentan herrscht ein Chaos wie in den letzten Bundesliga-Jahren…

  2. avatar

    Ich habe auf Deinen Hinweis hin die FAZ von gestern nochmal aus dem Papierkorb gefischt und Seite 29 aufgeschlagen. Ich hatte den Kommentar gestern überhaupt nicht wahrgenommen – eine Randnotiz eben. Ein passendes Sinnbild für unseren Sport, der vor der Gründung der DEL noch ganz klar die Nummer 2 in Deutschland war. Seit 1994, dem Gründungsjahr der DEL, geht es bergab. Der Grund: Die DEL war von Anfang an ein Kunstgebilde, mit dem sich kein ernsthafter Eishockeyfan identifizieren konnte. Alles, was deutsches Eishockey einmal ausgemacht hat, wurde mit der DEL abgeschafft: Zum Beispiel die Ausländerbeschränkung. Oder deutsche Clubnamen wie EV, ESC oder EC. Aber auch heruntergekommene Eishallen und der Auf- und Abstieg. Heute spielen die Thomas Sabo Ice Tigers gegen die DEG Metro Stars im ISS Dome. Mehr Retorte geht nicht. Retorte ist vor allem eins nicht: sexy. Und überhaupt: Welche Gehirnakrobaten lassen sich solche bescheuerten Namen einfallen? Die “Grizzly Adams” sind übrigens mein absoluter Favorit und bringen das Fass der Peinlichkeit zum Überlaufen. Manchmal wundert man sich, dass die Leute sich das noch antun. Aber – und das ist das Schlimme – wenn man einmal richtig Feuer gefangen hat für diesen Sport, geht man trotz all dieser Peinlichkeiten Woche für Woche in die Eishalle. Ich würde es wahrscheinlich auch tun, wenn ich nicht in der Eishockey-Diaspora Fulda wohnen würde. Eigentlich müssten sich die Fanlager verbünden und den Aufstand proben, der Protest gebündelt werden. Anders wird man die Ignoranz der Verantwortlichen wohl nicht mehr brechen können. Wie auch immer: Mit den Entwicklungen der letzten Wochen hat sich die DEL nun entgültig selbst begraben. Eigentlich kann dem Deutschen Eishockey nur noch ein radikaler Neubeginn helfen. Eines sollte man in den Führungsetagen der Clubs gelernt haben: Wer die Wünsche der “echten” Fans ignoriert, steht langfristig in jeglicher Hinsicht auf dem Abstellgleis. So lange man das nicht lernen will, werde ich mich dem nordamerikanischen und dem schweizer Eishockey widmen. Oder hat hier jemand Lust, eine Anti-DEL-Plattform im Web zu etablieren? Dann könnte man seinen Frust halbwegs sinnvoll kanalisieren :) …

  3. avatar

    Philipp

    Ich finde es einfach nur arm und erbärmlich was die DEL macht. Z.B. Familienfreundliches Eishockey ist meiner Meinung eine absolute Schwachsinnsaktion! Eishockey soll doch ein Sport mit viel Körperkontakt sein. Das macht die DEL einfach kaputt und verbietet viele Arten von Checks. Wenn die deutsche Eishockeynationalmannschaft gegen ein Team spielt, dessen Spieler in der NHL spielen, können die Deutschen die evtl. härteren Checks, der Gegner, nicht erwiedern, weil sie diese nie benutzt haben.

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