Gerade habe ich mal nachgeschaut, was zum Thema Doping hier auf unserer Website so zu finden ist. Der letzte Eintrag dazu liegt schon sechs Jahre zurück. Damals ging es um den Fall Florian Busch und seine verpasste Doping-Kontrolle. Seitdem hat man zwar hier und da ein paar Meldungen zu Doping- und/oder Drogenfällen in der DEL gehört, aber es war eher ruhig.

Gestern ploppte dann die Meldung auf, dass der Heilbronner Spieler Ralf Rinke positiv getestet wurde und von der NADA suspendiert wurde. Zu weiteren Details findet man zunächst nichts in der Nachricht. Somit müssen wir uns erst einmal gedulden. Alle weitere Spekulationen über den Fall sind daher sinnlos.

Trotzdem sollten wir den jetzigen Fall zum Anlass nehmen, mal wieder über Doping zu sprechen. Klar, Eishockey gilt jetzt nicht als primärer Ort für Dopingfälle. Da haben sich andere Sportarten wie Schwimmen, Biathlon oder auch der Radsport hervorgetan. Aber insbesondere im Radsport musste es in den vergangenen Jahren ein großes Umdenken in Sachen Kontrollen etc. geben. Mit immer größer werdendem Aufwand wird dort nämlich kontrolliert, Fahrer haben es immer schwerer “durchzukommen”. Ein Erfolg für die Kontrollen.

green-puck

Doch wie sieht es im Eishockey aus? Wie scharf wird hier kontrolliert?

Im Jahresbericht der NADA steht, dass im Jahr 2014 die Eishockey-Spieler der DEL und der DEL2 sowie des DEB gerade mal 392 Mal im Training und 88 Mal im Wettkampf (also nach insgesamt 728 Hauptrundenspielen plus Playoffs) kontrolliert wurden. Das sind 480 Kontrollen im Jahr. Im Vergleich zu 2013 sind das sogar noch mal weniger Kontrollen. Damals waren es insgesamt 511.

Überschlägt man mal die Spieleranzahl in den beiden Profiligen kommt man auf rund 620 Spieler. Hinzu kommen die (Nachwuchs-)Nationalspieler des DEB, die weder in der DEL noch in der DEL2 spielen. Es wurden 2014 also gerade mal 77 Prozent aller Spieler getestet, einige von ihnen wohl nur einmal im Jahr. Die Wahrscheinlichkeit nicht erwischt zu werden, ist also ziemlich gut.

Es muss also angenommen werden, dass die Dunkelzahl deutlich höher liegt. Denn wenn sich Menschen vergleichen, wird einiges versucht, um am Ende besser dazustehen.

Welche Sportart wie oft kontrolliert wird, entscheidet sich nach Risiko sowie Kraft- und Ausdauersport. Diese “sind für die NADA sehr gefährdet, Teamsportarten weniger, Gymnastik fast gar nicht”, wie Daniel Drepper schreibt. In der Bewertung werden physiologisches Risiko und empirische Daten (aufgeflogene Doper/1.000 Kontrollen) aber auch Dinge wie finanzieller Anreiz und mediale Beachtung berücksichtigt. Letzteres ist im Eishockey gegeben. Warum wird dann aber nicht stärker kontrolliert?

Vielleicht weil es keiner will, man sich lieber hinter Sätzen wie “im Mannschaftssport muss man nicht dopen” versteckt. Und wenn doch mal wieder ein Doping-Fall auftaucht, dann tut man betoffen, verweist auf die NADA, die den gesamten Ablauf von der Prüfung bis zur Verhängung der Strafe organisiert. Und der Doper wird als zu blöd bloßgestellt.

Am Ende wird sich doch nichts ändern. Die bösen Doper sind die anderen Sportarten. Der Radsport zum Beispiel, der mit 1.025 Kontrollen in 2014 mehr als doppelt so viele Kontrollen durchführt als die NADA im deutschen Eishockey und damit deutlich mehr im Kampf gegen Doping und Betrug im Sprt tut!

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