Als ich gestern auf RP-Online, dem Online-Auftritt der Rheinischen Post aus Düsseldorf, folgende Überschrift las, musste ich laut lachen. Ich frage mich nur, auf welche Meldung sich der Autor bezieht? Weiss da jemand mehr?

Klar ist ein fader Beigeschmack nach dem Siegtreffer der Eisbären durch den wegen seiner verweigerten Doping-Kontrolle in die Kritik und Schlagzeilen geratene Florian Busch zurück geblieben. Auch die Diskussion, die jetzt in den Anti-Doping-Agenturen in Montreal und Bonn geführt wird, finde ich in Ordnung. Doch warum schreibt RP-Online (und nur bei diesen habe ich bis jetzt davon gelesen) über eine mögliche Aberkennung des Titels?
Es war wohl die Ironie des Schicksals, dass Florian Busch am Sonntag das Championship-Winning-Goal erzielte. Letztlich war der Schuss eher eine Verzweiflungstat, bei der Robert Müller nicht gerade glücklich aussah. Doch es hätten genauso Walker, Ustorf oder Rankel dieses entscheidene Tor machen können. Gut, darum geht es dann wohl auch nicht bei einer möglichen Aberkennung des Titels.
Der Grund für diese harte Maßnahme ist wohl eher, dass Florian Busch spielen durfte, obwohl er den internationalen Anti-Doping-Regeln nach eigentlich hätte gesperrt sein müssen. Der Deutsche Eishockey Bund (DEB) hatte sich aber gegen eine Sperre ausgesprochen, so dass Busch auflaufen durfte (und es bis jetzt auch weiterhin darf). Der Verband hat dem 23-Jährigen also kein Berufsverbot erteilt – und das gegen die internationalen Regeln.
Für mich sieht es so aus, als wolle der DEB einen talentierten Jung-Nationalspieler schützen. Auf dem Weg zur WM 2010 im eigenen Lande kann man jeden guten Mann brauchen. Doch bitte, was ist das für eine Moral. Ein harter Kampf gegen Doping sieht anders aus. Im Radsport (eine meiner anderen Lieblingssportarten, die in den vergangenen Jahren fast zugrunde gerichtet wurde) werden die schwarzen Schafe (teilweise) vor zivile Gerichte gestellt. Sie können sich glücklichlich schätzen, wenn sie nach zwei Jahren wieder ihrem Beruf nachgehen dürfen.
Im Fall Busch wurde nur das “DEB Missed Test Policy Gremium” einberufen, das über eine mögliche Strafe entschied. Es lag auch aus Sicht dieses unaussprechlichen Gremiums ein Regelverstoß vor (sonst hätten sie ja keine Starfe verhängt). Doch die verhängte Strafe lag weit entfernt von dem normalen Strafmaß nach einem verweigerten Doping-Test, der als ein positiver Test gewertet werden muss. Es sollen zwei Jahre Sperre verhängt werden, der DEB beschloss eine Geldstrafe sowie die gemeinnützige Arbeit im Nachwuchsbereich des DEB. Hier klafft eine gewaltige Lücke zwischen der vorgesehenen Strafe und der tatsächlich verhängten Strafe.
Man wollte es sich einfach machen. Die “Causa Busch” wird zu einer Randnotiz spannender und packender Playoffs. Doch diese Rechnung der Verantwortlichen geht nicht auf. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) meldete gestern den Vorfall an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sowie an das Bundesinnenministerium und das Bundesverwaltungsamt, die dem DEB Fördermittel zur Verfügung stellen. Das Thema findet in den Medien direkt neben den Berichten zur Berliner Meisterschaft ausreichend Platz, um das deutsche Eishockey in Verruf zu bringen.
Für Florian Busch, der “seine große Dummheit” sofort bereute, könnte der Meistertreffer vielleicht der letzte gewesen sein. Vor dem internationalen Sportgerichtshof (CAS) wird er wohl kaum so starke Fürsprecher haben wie im DEB. Für das deutsche Eishockey wird dieser Fall ein längeres Nachspiel haben, das wohl mindestens die Sommerpause überdauern wird.
- Mitteilung der NADA zum Fall Busch (22. April 2008)
- Der NADA-Code: Regelwerk im Kampf gegen Doping [PDF]
- NADA Missed Test Policy [PDF]
- RP-Online: Eisbären Berlin droht Aberkennung des Titels (22. April 2008)
- Statement von Florian Busch [MP3]









Unterstützt Break-Away.de mit einem Klick auf unseren Flattr-Button:









