Auch bei den Schulden sind die Eisbären an der Spitze

Die Klubs der Deutschen Eishockey Liga haben Probleme. Quer durch die Bank schieben fast alle Klubs einen großen Schuldenberg vor sich her. 2 Millionen fehlen zum Beispiel immer noch in Frankfurt. Und auch Kassel konnte sich nur durch einen Insolvenzplan kurz vor der endgültigen Pleite retten. In Köln sprang Peter Schönberger zusammen mit drei Kollegen den Haien zur Hilfe und investierte in den Klub. Und auch die Gesellschafter der Krefelder Pinguine machten kurz vor knapp neues Geld locker, um in der Seidenstadt weiter Profi-Eishockey zeigen zu können.

Vier aktuelle Beispiele, die jeden Eishockey-Fan in jüngter Vergangenheit aufschrecken ließen. Doch sind Frankfurt, Kassel, Köln und Krefeld keine Einzelfälle. Die Mehrzahl der Klubs ist verschuldet! Besonders tief in den roten Zahlen stecken die Eisbären Berlin. Der sportlichen Dominanz in den letzten Jahren stehen Schulden in Höhe von 36 Millionen Euro (2008) gegenüber. Im letzten bisher verabschiedeten Geschäftsbericht von 2008 steht es schwarz auf weiß: “Die Gesellschaft weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von Euro 36.064.363,02 (i.Vj. Euro 32.653.218,09) aus. Damit ist die Gesellschaft bilanziell überschuldet.”

Nur durch eine eine Patronatserklärung gegenüber der Gesellschaft durch die Konzernmutter Anschutz Entertainment Group Inc. können die Eisbären weiter auf Titeljagd gehen. Ohne die schützende Hand aus Los Angeles (Sitz der Anschutz-Gruppe) wären die Lichter in der O2 World schon längst aus bzw. wahrscheinlich gar nicht erst angegangen.

Weiter heißt es im Geschäftsbericht der Eisbären Management GmbH: “Die Unternehmensfortführung ist davon abhängig, dass die Patronatserklärung und Rangrücktrittserklärung auch zukünftig aufrecht erhalten werden.” Das heißt, wenn Anschutz keine Lust mehr an seinen Eisbären hat, muss die Gesellschaft wohl den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Davon ist aber in naher Zukunft nicht wirklich von auszugehen.

Somit wird es also weitergehen mit den Eisbären, die trotz O2 World nicht gerade wirtschaftlich unterwegs sind. Das Geschäftsjahr 2008 schloss “die Gesellschaft mit einem Verlust von Euro 3.411.144,93 ab.” Im Vorjahr waren ebenfalls schon etwas mehr als 3 Millionen Euro Miese verbucht worden. Wirtschaftlich ist das nicht gesund und wäre für Klubs, die keinen finanzstarken Geldgeber haben, tödlich.

Einen starken finanziellen Hintergrund haben mit SAP-Gründer Dietmar Hopp auch die Adler Mannheim. Die Kurpfälzer haben aber im Vergleich zu den Eisbären einen ziemlich kleinen Schuldenberg. Rund 2 Millionen Euro sind nicht durch Vermögenseinlagen gedeckt. Wahre Peanuts sind diese Zahlen im Vergleich zur Bilanz der KEC Kölner Eishockey-Gesellschaft “Die Haie” mbH.

Zum 30. April 2008 lag in Köln der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag laut Geschäftsbericht bei 25,3 Millionen Euro. Kein Wunder also, dass die Haie ohne den großen, spendablen Geldgeber vor zwei Jahren in die bekannte Schieflage gerutscht sind.

Wo ist die Chancengleichheit?

Wir beneiden die Eisbären nicht um ihren Großonkel aus Amerika, der aushilft, wenn es finanziell eng wird. Doch die Frage nach der Chancengleichheit in der Liga muss an dieser Stelle erlaubt sein. Kleine Klubs wie Kassel oder Krefeld gehen an ein, zwei Millionen (fast) zu Grunde, während in der Hauptstadt jedes Jahr gut drei Millionen Verlust eingefahren werden.

Mit einer teuren Mannschaft, die man eigentlich gar nicht finanzieren könnte, wird die Liga so deutlich dominiert, dass andere Klubs (in der Hauptrunde) keinerlei Chancen haben mitzuhalten. Dass die Eisbären in den Playoffs am “kleinen” Augsburg gescheitert sind, grenzt an ein Wunder. Fair ist das aber nicht.

Wozu gibt es denn sonst Lizenzauflagen? Eine Gehaltsobergrenze, wie es sie in der NHL seit dem Lockout gibt, wäre hier mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung. Das sieht auch Wolfgang Brück so. Erst kürzlich fand der Geschäftsführer der Iserlohn Roosters bei einem Fantreffen deutliche Worte und forderte die Einführung eines Salary Caps.

Vorteil einer solchen Gehaltsobergrenze wäre eine gewisse Chancengleichheit innerhalb der Liga. Jedes Team darf dann nur so viel ausgeben, wie es tatsächlich hat. So würde ein teures und ruinöses Hochrüsten in Zukunft nicht mehr stattfinden und die Klubs ständen auf gesünderen finanziellen Beinen.

Wie es nun weiter geht, werden die nächsten Wochen zeigen. Ich denke aber, dass alles seinen gewohnten Gang gehen wird. Ohne große Veränderungen werden wir früher oder später wieder vor den gleichen Problemen stehen!

Foto: Toban Black

9 Kommentare

  1. Stefan Kipple

    Geschäftsberichte können unter ebundesanzeiger.de öffentlich eingesehen werden. Dies gilt für alle Gesellschaften, also nicht nur für DEL-Klubs. Teilweise sind die neuen Geschäftsberichte dort aber nicht einzusehen, weil sie evtl. noch gar nicht abgeschlossen sind.

  2. Stefan

    “Davon ist aber in naher Zukunft nicht wirklich von auszugehen.”

    Sicher? Auch Anschutz will irgendwann Geld verdienen und wie schnell Investoren sich zurückziehen können, hat die NFL Europe gezeigt. Ewig werden die nicht Schulden anhäufen…

    Und ein von müssen wir streichen.

  3. Komissarov

    Das erste Spiel in der O2 World fand im September 2008 statt. Die Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2008 und insbesondere das Jahr davor, dürften sich in engen Grenzen halten, die Formulierung “trotz O2 World” also ziemlicher Unsinn. Hier wäre die Entwicklung 2009 und 2010 sicher interessanter, um die Auswirkungen des Umzuges in die O2 World zu sehen.

    Und was ist eigentlich in Mannheim? Wird dort alles erwirtschaftet, was ausgegeben wird?

  4. Stefan Kipple

    @Stefan: Sicher wird Anschutz die Eisbären nicht so schnell dichtmachen. Denn sind sie doch mit die wichtigsten Mieter der O2 World, die ja auch zur Anschutz-Gruppe gehört.

    @Komissarov: Du hast Recht. Die O2 World wird sich erst ab dem Geschäftsjahr 2008/2009 in der Bilanz bemerkbar machen. Allerdings gibt es zu diesem Jahr noch keinen öffentlich einsehbaren Geschäftsbericht, was auch etwas merkwürdig ist. Besteht doch ein Pflicht zur Veröffentlichung.

    Auch wenn die O2 World den Eisbären Geld in die Kassen spülen würde, bleiben sicher noch viele, viele Millionen Schulden übrig. So schnell kann man die nicht auflösen!

    Die Situation in Mannheim ist für mich nicht so ganz klar. Es gibt zwei GmbHs, die irgendwie miteinander verschwistert sind. Wer da wen wie bezahlt und wer was verdient, müsste man sich vielleicht noch einmal detailierter ansehen.

  5. Michael Lachmann

    Ich finde es ein wenig ermüdend, dass ein Thema, welches schon März 2010 ausgelutscht war (siehe BILD Berlin-Brandenburg, Eishockey NEWS), nun erneut aufgegriffen wird…

  6. Stefan Kipple

    Richtig, dieses Thema steht schon länger auf der Tagesordnung. Und auch dieser Artikel ist schon etwas älter. Trotzdem vermiss(t)e ich in sämtlichen Berichten rund die Schuldenlage der Liga die klaren Fakten, die in den Geschäftsberichten der Klubs nachzulesen sind. Die Fakten sprechen für mich eine klare Sprache!

  7. Martin Müller

    Der Wolfgang Brück von den Iserlohn Roosters hat absolut recht. Aber im Moment sieht es für die Eisbären ja nicht so gut aus mit Platz 1 nach der Hauptrunde, auch wenn sie gestern 4:1 gegen die Nürnberg Ice Tigers gewonnen haben.

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